Winter
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Starke Gewitter stören oft die Almidylle

Als Sennerin auf der Moosen-Alm hat Anna Wasensteiner viel erlebt

In der Oswaldhütte, dem Moosen-Niederleger zwischen Vorderriß und Landesgrenze, machte ich 1955, erstmals die Bekanntschaft der damals siebenundvierzigjährigen Sennerin Anna Wasensteiner aus Gaißach, genannt ´s Annerl.
Bei einem Fürchterlichen Gewitter hetzte ich vom Schafreuter herab und fand in ihrer Almhütte auf der Moosen Schutz.
Die Anna erschrak nicht schlecht, als ich bei Blitz und Donner die Türe aufriss und - durchnässt von Regen und Hagel – ins Innere der Hütte taumelte. Trotz des eben ausgestandenen Schreckens rief sie gleich darauf erleichtert: „Dank sei unserm Herrgood, des nacha do no oana kimmt, naa, wia i mi fircht bei a so am Weder!“
Sie gab mir heiße Milch und ein trockenes Hemd, damit ich mich nicht verkühlen sollte.
Von da an waren wir Freunde.
Aber erst viel später hat mir die Wasensteinerin aus ihrem Leben erzählt. Schon als junge Frau verlor sie ihren guten Mann. Alleine geblieben mit ihren vier Mädchen und dem Jüngsten, dem damals sechsjährigen Thomas, nahm die schwere Arbeit auf dem Moarbauernhof nie ein Ende, und sie hat sie alle allein bewältigt.
1949, die Kinder waren ihr zu rechten Helfern geworden, ging sie erstmals mit ihrem Vieh, 15 Milchkühen und 18 Jungtieren, auf die Moosenalm. Das war kein Honiglecken. Die Kühe mussten zweimal am Tage von Hand gemolken werden. Stundenlang stand sie dann am Rührfaßl, denn damals wurde die Butter noch auf der Alm gewonnen und allwöchentlich mit dem Ross ins Tal gebracht.
Wenn die Anna von ihrer Sennerinnenzeit auf der Moosen-Alm erzählt, dann ist auch immer von diesen argen Gewittern die Rede.
„Bua, de is as zuaganga, das mag rod g´moant hot, d´Welt dat undergehn. Un i meist alloa in da Hittn. Grod froh bin i do gwe´n, wann da Hüatabua do wor. Efter samma voar da g´weihtn Wedakirzn nidakniat un ham gbet, a so vui Angst hamma ghabt.“
Einmal hat ihr der Blitz ein Kalbl erschlagen. Dann wieder stürzte Vieh in der Plattenwänden am Lichteck und im Schafreuterkar zu Tode. Sie selbst purzelte auch einmal über Felsschorfen ein paar Meter tief hinab.
„Üba un üba wor i volla Bluat, ´s wor a Glück, das I mia nixn brocha hob” meinte die Anna. Das größte Unglück, dass ihr Vieh betroffen hat, ereignete sich 1971, als bei den Steilabbrühen am Delpsee 16 Jungtiere zu Tode stürzten.
Ein großer Schaden für den Moarbauern, ihren Sohn, Thomas, in dessen starke Hände sie damals bereits den Hof übergeben hatte.
Ein harter Schlag auch für den Moarbauernhof, als sich im August 1978 der treue Hirt Georg Müller bei einem Sturz auf der Moosen tödlich verletzte.
Aber die Dreiundsiebzigjährige weiß auch über schöne Stunden ihres langen Sennerinnenlebens zu berichten. Gerne erinnert sie sich an den Vorederrißer Jäger Schütz, den Vater des jetzigen Revierjägers Helmut Schütz aus Fall, der hin und wieder bei Ihr „zum Dischkriern“ vorbeikam.
„Oamoi, do hob i grod Hei gwendt voa da Hittn, und do is da Schütz og´ruckt kemma. Ob a mia helfa kannt, hot a herüba gschrian. I hob eahm a Antwort gebn, aba der muas mi ned recht vastandn ham. Wia i nacha, a su a hoibe Stund spater, in d´Hittn eini kimm, draht der fleißi un ganz noßgschwitzad as Buttafaßl umanand. Wos tuast denn? Frog i eahm. Jo mei, an Butta ausrührn, moant a un draht wieder. Schmarrn, sog i, do is do grod as Wossa drinna un koa Muich ned. O mei, hot a gfluacht, da Schütz.”
Noch heute schüttelt sich das Annerl vor Lachen, wenn es davon erzählt. Obwohl schon hochbetagt, ging sie damals immer noch gerne auf die Alm. Sie ist ihrem Sohn Thomas, stolzer Besitzer von 80 Stück Rindvieh und zwei prächtigen Rössern, noch lange eine rechte Hilfe gewesen.
Auch 1981 war in der Moosenalm nach langer Winterruhe wieder Leben eingezogen. Die damals 73-jährige Altbäuterin vom Moarbauernhof Gaißach hatte aufs Neue ihr Sommerquartier bezogen. Damals habe ich sie wieder besucht und dann diese Geschichte geschrieben.
„Grod schee wor´s a, wann an am Wochenend Bsuach kemma is. Grod lusti samma gwen, un oamoi hamma a Oimkirta do herobn g´feiert, do san´s oisamt bsuffa gwen, un wia s´wiada abgruckt san auf d´Nocht, un wia i endli in mei Bed einigfoin bi, mei, do hot´s mi sauba herghaut – hamma de do nacha under am Bettlakn lauda Stoana einiglegt, de Sauluada de, a soicherne Trümmer“ zeigt das Annerl die Größe der Steine an und macht mit ihren abgearbeiteten Händen recht ausholende Bewegungen, „… a soicherne Trümmer, des hob i lang no gmerkt!“

Quelle: Auszug aus dem Buch, "G´schichtn aus dem Isarwinkel" - Von der Alm, Jagd und vom Schwammerlglück von Georg Umrath.