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Pater Kerhoas

Das Werk von Pater André Kerhoas


Pater des Salesianerordens und Lehrer in Coat an Doc´h in Lanrodec, Côtes d´Armor, Bretagne, Gründer der Partnerschaft. Nach fünf Jahren Gefangenschaft in Deutschland, ist ihm die Deutsch-Französische Freundschaft sehr wichtig. Während des 2.Weltkriegs, ab Mai 1940, wird Pater Kerhoas Kriegsgefangener in Schlesien. Trotz schmerzhafter Erlebnisse sagt er: „In meinem Unglück hatte ich das Glück, die zwei Gesichter Deutschlands zu erleben. Auf der einen Seite der grausame Nationalsozialismus und auf der anderen Seite die Not dieses Volkes.“
Nach seiner Rückkehr wird es Pater Kerhoas sehr schwer gemacht, über die erlebte deutsche Menschlichkeit während seiner Gefangenschaft zu berichten. „Wir hatten keinerlei Hasswörter füreinander, was die Leute, die in Frankreich geblieben waren, nicht verstanden“.

20 Jahre später haben immer noch einige Jugendliche eine karikaturenhafte Vorstellung von Deutschland, die Dank des ersten Jugendaustauschs sofort beseitigt wird. Pater Kerhoas fügt bei jedem Austausch einen Besuch eines Konzentrationslagers seinem Programm bei.
„Wir müssen es den Jugendlichen zeigen, damit Nichts in Vergessenheit gerät, damit es nie wieder vorkommt. Wir dürfen uns nicht mehr hassen“, sagt Pater Kerhoas. Zeuge eines Deutschlands mit zwei Gesichtern, hat er sehr früh diese Lektion gelernt.

Ohne die Zielstrebigkeit Pater Kerhoas hätte die Geschichte der Partnerschaft sehr früh beendet sein können.

Im Jahre 1963 wird der deutsch-französische Freundschaftsvertrag von Konrad Adenauer und Charles De Gaulle unterzeichnet, mit dem Ziel, ein vereintes Europa zu fördern. Daraus resultiert auch die Gründung des Deutsch-Französischen-Jugendwerks. Als Pater Kerhoas seine erste Reise mit jungen Bretonen von Coat an Doc´h nach Deutschland vorbereiten möchte, erhält er nur negative Antworten von dieser Organisation. Pater Kerhoas ist aber auf die finanzielle Hilfe angewiesen. Also entscheidet er sich, nach Paris zu fahren, dort wird er von einem Sekretär des DFJW empfangen. Als Pater Kerhoas ihm erzählt, dass er die deutsche Sprache in 5 Jahren Kriegsgefangenschaft gelernt hat, sichert ihm der Sekretär die finanzielle Hilfe zu.

Nun ist es so weit und 1965 geht die Reise nach Benediktbeuern. Dort ist es aber sehr schwer, Kontakte mit der Bevölkerung zu knüpfen. 1966 kommt Pater Kerhoas erstmals nach Lenggries, aber auch hier hat er das gleiche Problem. 1969 verbringt er ein paar Tage mit einer Gruppe in der Nähe vom Tegernsee und 1970 versucht er erneut mit einer Gruppe Mädchen und Jungen in Lenggries Anschluss zu finden. Eines Abends kommen fünf Lenggrieser Jugendliche (Franz Janning, Luitpold Reiser, Christine Oberhofer, Tina Hermann und Oskar Wenig) in die Jugendherberge und wollen mit den Bretonen Freundschaft schließen. Ein Jahr darauf fahren diese 5 Lenggrieser zum Gegenbesuch in die Bretagne. Der erste Stein der Partnerschaft ist damit gesetzt und die Saat, die Pater Kerhoas gesät hat, fällt bei der katholischen Jugend von Lenggries auf fruchtbaren Boden. 1972 fahren bereits 15 Lenggrieser Jugendliche in die Bretagne. Seitdem führt die Katholische Jugend Lenggries, unterstützt vom Deutsch-Französischen Jugendwerk und vom Kreisjugendring Bad Tölz, jährlich einen Austausch mit der Bretonischen Jugend durch.

Auch Bürgermeister Dr. Kaspar Seibold zeigt Interesse an der Verbindung dieser beiden Völker und nimmt Kontakt mit den Bretonen auf. Und so wird im Mai 1981 die offizielle Partnerschaftsurkunde zwischen Lenggries und den 5 bretonischen Gemeinden Plélo, Bringolo, Châtelaudren, Plouvara, Saint-Jean-Kerdaniel unterzeichnet. Der Traum von Pater Kerhoas wurde wahr.

1998 kam Pater Kerhoas im Alter von 88 Jahren zum letzten Mal mit einer Jugendgruppe nach Lenggries.


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